Steinbeck ist Schuld

„Wo wir auch in Russland waren, in Moskau, in der Ukraine, in Stalingrad, stets fiel der magische Name Georgien. Menschen, die niemals dort gewesen waren, sprachen von Georgien mit einer Art Sehnsucht und mit großer Bewunderung. In ihren Erzählungen waren die Georgier Übermenschen, große Trinker, große Tänzer, große Musiker, große Arbeiter und Liebhaber.“ John Steinbeck

Irgendwann während meines Journalistik-Studiums fiel mir John Steinbecks „Russische Reise“ in die Hände. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg fuhr er gemeinsam mit dem Fotografen Robert Capa durch die Sowjetunion. Das meiste, was sie dort fanden, war reichlich deprimierend, zerstörte Kriegslandschaft. Aber ein Land war anders, voller Gastfreundschaft, Gesang und fröhlicher Menschen. Das war Georgien. Seitdem wusste ich, ich muss dahin.

Was ich dort fand? Viel Gastfreundschaft, gute Tänzer, Gesang, sehnsuchtsvoll am Horizont hängende blaue Berge und Wein. Was für Wein! Darüber könnte man Bücher schreiben, oder eben eine Reportage – so geschehen für das Frankfurter Allgemeine Magazin. 

Twenty years of Balkan Tangle

I’m very exited to announce my first piece for Panorama – The Journal of Intelligent Travel. It took me back to my trip through Northern Albania where I first picked up the name of Edith Durham, an English traveller, artist, and ethnologist from the early 20th century. How her name got there and why she was called the Queen of the Albanian Mountains can be read in Panorama’s Sunday Magazine (23rd of October).

Wo liegt das und was machen wir dort?

IMG_6540„Es gibt günstige Flüge nach Cotonou“, sagte der Kollege. „Cotonou“, fragte ich zurück, während ich das Telefon unters Ohr klemmte und schnell das dazugehörige Land googelte. Wo liegt das eigentlich? Gibt es Reisewarnungen? Und was machen wir dort?

Die letzte Frage stellte ich noch am Telefon. „Keine Ahnung“, war die Antwort. „Das finden wir dann heraus, wenn wir da sind.“ Fand ich gut. Also buchten wir. Der Trip nach Benin war meine erste Reise auf den afrikanischen Kontinent. Es wird nicht der letzte gewesen sein.

Im Frankfurter Allgemeine Magazin ist bereits die erste Reportage aus Benin erschienen. Online gibt es den Text über unsere Fahrt entlang der alten Fischereistraße hier:  Parfait

Was trinken sie dort?

Wir fuhren durch Moldau wegen einer ganz anderen Geschichte, aber immer wieder wurde uns Wein vorgesetzt. Er war köstlich, fruchtig und trocken wie der Moldauer Sommer. Warum kennt den eigentlich niemand in Westeuropa, fragten wir uns. Dann besuchten wir den größten Weinkeller des Landes – er ist so groß, dass man mit dem Auto hineinfahren kann. Spätestens da war klar, dass ich darüber etwas schreiben muss. Nun ist die Reportage im Reiseteil der F.A.Z. erschienen.

Auf einen Bellini in Harry’s Bar

IMG_5264Um Harry’s Bar ranken sich in Venedig Legenden. Die meisten sind mit den Namen großer Schriftsteller verbunden: Truman Capote trank hier, der Stammgast Ernest Hemingway verewigte die Bar 1950 in „Über den Fluss und in die Wälder“. Und auch Orson Welles kam, aß viel und trank noch mehr. Meist so viel, dass die Kellner sich fragten, ob Amerikaner nicht ein ganz anderes Verdauungssystem haben.

Während der Biennale feierte in diesem Jahr ein Dokumentarfilm über die Bar seine Premiere. Die Paillettendichte war hoch, die Absätze noch höher. Nur Bellinis gab es nicht. Dafür musste man die Bar schon selbst aufsuchen.

Das hab ich gemacht und darüber für das Frankfurter Allgemeine Magazin geschrieben. Die Reportage gibt’s auf Seite 45.

Filmdiven – in Venedig und anderswo

Es ist viel passiert in den vergangenen Wochen. So viel, dass ich kaum dazu kam, diese Seite zu aktualisieren. Der Sommer hat sich als Hauptsaison für Freelancer entpuppt – und darüber bin ich natürlich nicht böse. Da hier und dort jedoch die drängenden Fragen aufkamen: Was machst Du eigentlich? Und wo steckst du gerade schon wieder? – kommt hier die ausführliche Antwort.

Da war zunächst einmal das Filmfestival in Venedig, das ich in diesem Jahr für den Gesellschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung besuchen durfte. Die ersten Eindrücke von der Eröffnungsgala am roten Teppich hatte ich gleich online verarbeitet (Diven, Bergsteiger und eine kleine Demonstration) – die lange Version erschien am nächsten Tag im Print. Und wer dann die Meldungsspalten aufmerksam durchstöbert hat (über das Johnny-Depp-Fieber, Kristen Stewarts romantische Ader oder Noah Baumbachs Brian-DePalma-Doku) , konnte fast 14 Tage lang mein Kürzel entdecken. Einige längere Stücke von dieser Recherchereise stehen noch in diversen Blöcken – es wird also nicht das letzte Mal sein, dass ich davon erzähle.

Eine der schönsten Begegnungen mit einem Filmstar hatte ich jedoch nicht in Venedig, sondern direkt vor der Haustür, in Rodgau. Dort lebte nämlich Jean Darling – die älteren unter Ihnen werden sich noch an das blondgelockte, kecke Mädchen aus der Stummfilmreihe „Die kleinen Strolche“ erinnern. Genau, das war sie! Und sie erinnerte sich noch an so vieles: Wir sprachen über ihr erstes Casting, die Zeit als der Stummfilm zum Tonfilm wurde und wie sie Laurel und Hardy (bei uns besser bekannt unter dem Pseudonym ihrer Comedy-Reihe „Dick und Doof“) kennenlernte. Leider verstarb sie kurz nach ihrem 93. Geburtstag im September. Der Text über das Gespräch mit ihr erschien online bei FAZ.NET: Was aus dem kleinen Strolch mit den blonden Locken wurde.

Der paranoide Diktator und die Bunker

bunker

Albanien war eine der intensivsten Reisen der letzten Zeit. Egal wohin man kommt, überall findet man die Überbleibsel der Diktatur. Besonders hartnäckig halten sich die Bunker, die der albanische Diktator Enver Hoxha im ganzen Land erbauen ließ. Am Strand, im Gebirge oder, wie auf dem Bild zu sehen, direkt in der Hauptstadt Tirana, überall stolpert man über diese Betonmonster in Schildkrötenform. Für den Reiseteil der Frankfurter Allgemeine Zeitung habe ich über den Streifzug auf den Spuren des paranoiden Diktators und seiner Bunker geschrieben: Im Land der tausend Bunker

 

Upcycling

retrouviusIn einem meiner liebsten Cafés in Frankfurt sind seit neuestem die Tische aus unebenen Holzbalken, auf denen die Kaffeetasse oder das Rotweinglas gern mal umkippt. Und weil dieser Einrichtungsstil aus gebrauchtem (oder gebrauchtwirkendem) Holz und Möbeln gerade in den Großstädten inflationär um sich greift, habe ich einen Designer besucht, der mir die Faszination für altes Holz erklären kann. Adam Hills heißt der Mann, er hat in Glasgow studiert und damals aus finanziellen Nöten heraus seine erste Kücheneinrichtung mit Holz aus alten Abrisshäusern gefertigt. Seit mehr als 20 Jahren ist er nun im Geschäft, mittlerweile in London, und die Räume seiner Firma „Retrouvius“ wirken wie ein verwunschener Speicher.

Die Geschichte erschien im neuen Wohnen-Ressort der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Online bitte hier entlang: Altes Holz in neuen Möbeln 

Moldau

Moldau klein für HPWenn jeder Vierte im Ausland nach Arbeit sucht, wie geht es dann den Menschen, die zurückbleiben? Mit dieser Frage bin ich durch die Republik Moldau gefahren und habe gemeinsam mit der Dresdner Fotografin Carola Fritzsche mit Familien und Betroffenen gesprochen.

Wir trafen in einem Dorf im Süden des Landes eine Familie, die sich nur einmal im Jahr sieht. Sprachen im Norden mit einer alten Dame über den Luxus von fließendem Trinkwasser und unterhielten uns schließlich zurück in der Hauptstadt Chisinau mit einer jungen Familie, die nach Jahren der Arbeit im Ausland genug hatte und in ihre Heimat zurückkehrte, um mit dem erwirtschafteten Geld ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Die Reportage wurde im Juli in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlicht. Online nachzulesen hier: Moldau – ein schönes, leeres Land

Cover-Story „Marubi“

11209354_763739823741099_5442976766629242760_nIn Albania, I first heart of the Italian photographer Marubi, who went to the Balkans in the late 19th century and captured beautiful portraits of a world we rarely know anything about anymore. In the northern town of Shkodra I went looking for his archive which comprises several 100.000 negatives. The whole story with lots of beautiful pictures in Frankfurter Allgemeine Magazin’s May Issue. You will find a PDF of the whole magazine here: www.faz.net/magazin

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In Tirana hörte ich zum ersten Mal vom italienischen Fotografen Marubi, der Mitte des 19. Jahrhunderts nach Nordalbanien kam und mit seiner Kamera eine längst vergessene Kultur dokumentierte. Sein Archiv mit mehreren 100.000 Negativen ist noch heute erhalten; doch leicht zu finden ist es nicht. Die gesamte Geschichte erschien im Frankfurter Allgemeine Magazin im Mai 2015. Zum PDF des gesamten Magazins bitte hier entlang: www.faz.net/magazin Die Geschichte gibt es ab Seite 48.

Finnland: Atomkraft, Rööri und der neue Meatpacking-District

IMG_2487Journalists Network hatte im März zu einer Recherchereise nach Finnland geladen. Ich fuhr mit. In etwas mehr als einer Woche hatte unsere Recherchegruppe nicht nur das Vergnügen den Kult-Finnen M.A. Numminen (auf dem Foto mit unserem Organisationsgenie Jenni Roth) zu treffen.

Wir wollten wissen, warum die Finnen auch nach Fukushima weiter an der Atomkraft festhalten. Antworten fanden wir in Eurajoki, wo nicht nur ein neues Reaktorgebäude, sondern auch das weltweit erste Endlager gebaut werden. Ein Hinweis fiel am häufigsten: finnischer Pragmatismus. Ich habe darüber für die Frankfurter Allgemeine Zeitung geschrieben („Bis zur nächsten Eiszeit“, veröffentlicht am 22. April 2014 im Politikteil).

Aber die Finnen machen sich nicht nur Gedanken, wie sie ihren atomaren Müll sicher entsorgen; im ehemaligen Hafenviertel Kalasatama in Helsinki bauen sie eine Absauganlage für Hausmüll. Wie genau das funktioniert? So: Mit Rööri gegen den Müll (erschienen am 6. April in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung / Drinnen und Draußen).

Obwohl die Woche voller Termine und spannender Interviews war, blieb in bisschen Zeit für eigene Recherchen. Ich habe Wilhelm Relander, den Food Manager der Stadt Helsinki, getroffen. Er hat mir erzählt, wie er die ehemaligen Schlachthöfe der Stadt zum neuen Meatpacking District umgestalten will. „Gastro-Stadt Helsinki“ wurde im Großstadtmagazin Neonlicht auf Deutschlandradio Kultur am 20. April gesendet.