Überraschungen auf der Berlinale

Es heißt ja immer die Berlinale sei das politische unter den großen Filmfestivals. In diesem Jahr aber war der Wettbewerb mal wieder sehr durchwachsen. Wer überraschendes suchte, musste in die Nebenreihen gehen. Dort wurden so wunderbare Filme wie „Call me by your Name“ oder „Menashe“ gezeigt.

Für letzteren hatte ich die Gelegenheit, mit dem Hauptdarsteller Menashe Lustig ein Interview zu führen. Es war eine der spannendsten Begegnungen dieses Filmfestivals. Denn wie kommt man dazu Schauspieler zu werden, wenn man in einer ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde aufwächst und dort weder Film, noch Fernsehen oder Internet konsumieren durfte? Das ganze Interview erschien in der Frankfurter Allgemeine Zeitung und online.

Zwei weitere Kritiken erschienen auf Kino-zeit.de:

Tiere

Foreign Body

Wie der Schmuck auf den roten Teppich kommt

IMG_7400Ich kenne Cannes bisher in der Nebensaison. Im vergangenen Jahr hielten wir dort während eines Roadtrips entlang der Cote d’Azur. Schon damals war viel los. Als ich dieses Jahr jedoch für das Filmfestival wiederkehrte, glich das Nebensaison-Cannes einem Klostergarten.

Der Gegensatz mag besonders hart ausgefallen sein, weil wirklich jeden Tag verdammt viel zu tun war:

Für die Frankfurter Allgemeine Zeitung recherchierte ich, woher die Stars und Sternchen ihren Schmuck für den roten Teppich bekommen: Der Ohrring soll ja nicht im Schrank liegen. 

Für das neue „Woche“-Magazin der F.A.Z. interviewte ich Jonathan Liddell zu seinem Film „Wrong Elements“, in dem er ehemalige Kindersoldaten in Uganda begleitet.

Und für Kino-zeit.de schaute ich Filme. Unter anderem diese hier:

„Neruda“ von Pablo Larraín
„L’économie du couple“ von Joachim Lafosse
„Risk“, Laura Poitras Dokumentarfilm über Julian Assange
„Two lovers and a bear“ von Kim Nguyen

Und hörte mir an, warum Chloe Sevigny so lange gebraucht hat, bis sie sich selbst zutraute, Regie zu führen.

Was trinken sie dort?

Wir fuhren durch Moldau wegen einer ganz anderen Geschichte, aber immer wieder wurde uns Wein vorgesetzt. Er war köstlich, fruchtig und trocken wie der Moldauer Sommer. Warum kennt den eigentlich niemand in Westeuropa, fragten wir uns. Dann besuchten wir den größten Weinkeller des Landes – er ist so groß, dass man mit dem Auto hineinfahren kann. Spätestens da war klar, dass ich darüber etwas schreiben muss. Nun ist die Reportage im Reiseteil der F.A.Z. erschienen.

Wie schnell zehn Tage vergehen

merylWenn die Berlinale ansteht, fragen Bekannte ja gern, ob man sich in Berlin endlich mal auf einen Kaffee verabreden könnte oder welche Filme ich so empfehlen würde. Meistens sind sie danach enttäuscht, da ich weder Zeit für Kaffee habe, noch spontane Empfehlungen für „den einen Film“ aus mehr als 400 Kandidaten geben kann. Die meiste Zeit verbringe ich sowieso nicht im Kino, sondern auf den Randveranstaltungen, am roten Teppich, auf den Pressekonferenzen und den Panels – und die waren in diesem Jahr ziemlich umwerfend: da war eine entspannte Meryl Streep, die 90 Minuten lang über ihre Karriere und Frauen im Filmbusiness sprach; da war Kameralegende Michael Ballhaus, der über seine berühmte 360-Grad-Kamerafahrten sprach und wie blutrünstig Martin Scorsese manchmal gestimmt war; da war George Clooney, der alle mit politischen Statements überraschte und so einige Personen, die nie ins Rampenlicht kommen, aber mich mit ihrer Zenhaften Ruhe am roten Teppich schwer beeindruckt haben.

Es war nicht mein erstes Mal auf der Berlinale, aber es war das erste Mal, dass ich auf diesem Filmfestival „richtig“ gearbeitet habe. Ja, in den Jahren zuvor, während des Journalistikstudiums, habe ich auch über Filme geschrieben und Kolumnen zu all den kleinen Dingen, die auf und um den roten Teppich geschehen, verfasst. Aber dieses Jahr war voll, ich hatte mehrere Auftraggeber, darunter das Feuilleton der F.A.Z. und kino-zeit.de.

Ein paar Filme habe ich mir dann auch noch ansehen können und natürlich darüber auch geschrieben:

Filmdiven – in Venedig und anderswo

Es ist viel passiert in den vergangenen Wochen. So viel, dass ich kaum dazu kam, diese Seite zu aktualisieren. Der Sommer hat sich als Hauptsaison für Freelancer entpuppt – und darüber bin ich natürlich nicht böse. Da hier und dort jedoch die drängenden Fragen aufkamen: Was machst Du eigentlich? Und wo steckst du gerade schon wieder? – kommt hier die ausführliche Antwort.

Da war zunächst einmal das Filmfestival in Venedig, das ich in diesem Jahr für den Gesellschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung besuchen durfte. Die ersten Eindrücke von der Eröffnungsgala am roten Teppich hatte ich gleich online verarbeitet (Diven, Bergsteiger und eine kleine Demonstration) – die lange Version erschien am nächsten Tag im Print. Und wer dann die Meldungsspalten aufmerksam durchstöbert hat (über das Johnny-Depp-Fieber, Kristen Stewarts romantische Ader oder Noah Baumbachs Brian-DePalma-Doku) , konnte fast 14 Tage lang mein Kürzel entdecken. Einige längere Stücke von dieser Recherchereise stehen noch in diversen Blöcken – es wird also nicht das letzte Mal sein, dass ich davon erzähle.

Eine der schönsten Begegnungen mit einem Filmstar hatte ich jedoch nicht in Venedig, sondern direkt vor der Haustür, in Rodgau. Dort lebte nämlich Jean Darling – die älteren unter Ihnen werden sich noch an das blondgelockte, kecke Mädchen aus der Stummfilmreihe „Die kleinen Strolche“ erinnern. Genau, das war sie! Und sie erinnerte sich noch an so vieles: Wir sprachen über ihr erstes Casting, die Zeit als der Stummfilm zum Tonfilm wurde und wie sie Laurel und Hardy (bei uns besser bekannt unter dem Pseudonym ihrer Comedy-Reihe „Dick und Doof“) kennenlernte. Leider verstarb sie kurz nach ihrem 93. Geburtstag im September. Der Text über das Gespräch mit ihr erschien online bei FAZ.NET: Was aus dem kleinen Strolch mit den blonden Locken wurde.

Der paranoide Diktator und die Bunker

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Albanien war eine der intensivsten Reisen der letzten Zeit. Egal wohin man kommt, überall findet man die Überbleibsel der Diktatur. Besonders hartnäckig halten sich die Bunker, die der albanische Diktator Enver Hoxha im ganzen Land erbauen ließ. Am Strand, im Gebirge oder, wie auf dem Bild zu sehen, direkt in der Hauptstadt Tirana, überall stolpert man über diese Betonmonster in Schildkrötenform. Für den Reiseteil der Frankfurter Allgemeine Zeitung habe ich über den Streifzug auf den Spuren des paranoiden Diktators und seiner Bunker geschrieben: Im Land der tausend Bunker

 

Moldau

Moldau klein für HPWenn jeder Vierte im Ausland nach Arbeit sucht, wie geht es dann den Menschen, die zurückbleiben? Mit dieser Frage bin ich durch die Republik Moldau gefahren und habe gemeinsam mit der Dresdner Fotografin Carola Fritzsche mit Familien und Betroffenen gesprochen.

Wir trafen in einem Dorf im Süden des Landes eine Familie, die sich nur einmal im Jahr sieht. Sprachen im Norden mit einer alten Dame über den Luxus von fließendem Trinkwasser und unterhielten uns schließlich zurück in der Hauptstadt Chisinau mit einer jungen Familie, die nach Jahren der Arbeit im Ausland genug hatte und in ihre Heimat zurückkehrte, um mit dem erwirtschafteten Geld ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Die Reportage wurde im Juli in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlicht. Online nachzulesen hier: Moldau – ein schönes, leeres Land

Albanien

albanienWas weiß man eigentlich über Albanien? Nicht viel – das antworteten mir die meisten Bekannten, die ich fragte. Deshalb bin ich in diesem Sommer im Zuge einer Studienreise der Bundeszentrale für politische Bildung durch dieses kleine Land am Rande des Balkans gefahren.

Die interessantesten Menschen trifft man immer, ohne es zu planen. In Tirana zum Beispiel hatte ich das Glück, Jutta Benzenberg zu begegnen. Sie ist Anfang der 1990er Jahre nach Albanien gekommen. Als Fotografin dokumentiert sie dort seit mehr als zwanzig Jahren den Umbruch seit dem Niedergang des kommunistischen Regimes. Ihre Bilder zeigen die Schönheit des Landes und erzählen gleichzeitig von der Armut und den Menschen, die selbst dort gern vergessen werden. Zudem war die Fotografin ein Jahr lang mit dem derzeitigen Premier Edi Rama unterwegs. Kurz gesagt, Jutta Benzenberg ist außergewöhnlich und natürlich musste ich ihre Geschichte aufschreiben. Sie erschien als Porträt am 28. Oktober in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. 

Finnland: Atomkraft, Rööri und der neue Meatpacking-District

IMG_2487Journalists Network hatte im März zu einer Recherchereise nach Finnland geladen. Ich fuhr mit. In etwas mehr als einer Woche hatte unsere Recherchegruppe nicht nur das Vergnügen den Kult-Finnen M.A. Numminen (auf dem Foto mit unserem Organisationsgenie Jenni Roth) zu treffen.

Wir wollten wissen, warum die Finnen auch nach Fukushima weiter an der Atomkraft festhalten. Antworten fanden wir in Eurajoki, wo nicht nur ein neues Reaktorgebäude, sondern auch das weltweit erste Endlager gebaut werden. Ein Hinweis fiel am häufigsten: finnischer Pragmatismus. Ich habe darüber für die Frankfurter Allgemeine Zeitung geschrieben („Bis zur nächsten Eiszeit“, veröffentlicht am 22. April 2014 im Politikteil).

Aber die Finnen machen sich nicht nur Gedanken, wie sie ihren atomaren Müll sicher entsorgen; im ehemaligen Hafenviertel Kalasatama in Helsinki bauen sie eine Absauganlage für Hausmüll. Wie genau das funktioniert? So: Mit Rööri gegen den Müll (erschienen am 6. April in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung / Drinnen und Draußen).

Obwohl die Woche voller Termine und spannender Interviews war, blieb in bisschen Zeit für eigene Recherchen. Ich habe Wilhelm Relander, den Food Manager der Stadt Helsinki, getroffen. Er hat mir erzählt, wie er die ehemaligen Schlachthöfe der Stadt zum neuen Meatpacking District umgestalten will. „Gastro-Stadt Helsinki“ wurde im Großstadtmagazin Neonlicht auf Deutschlandradio Kultur am 20. April gesendet.

 

Kleines Land, was nun?

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Suzana will ihr Land verlassen, Josip will bleiben. Wie geht es kroatischen Jugendlichen nach dem EU-Beitritt? Mit dieser Frage bin ich mit Multimedia-Journalist Nils Thies nach Kroatien gereist – im Rahmen des Recherchestipendiums „Reporter vor Ort“ der Robert-Bosch-Stiftung.

Wir sind mit dem Bus quer durch das Land gefahren und haben mit Studenten, Jungunternehmern und Mode-Bloggern gesprochen. Daraus entstand eine Reportage, die am 11. Oktober auf Seite 3 der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschien.

Seit dem Wochenende ist der Beitrag auch online auf FAZ.NET: Kleines Land, was nun?