Überraschungen auf der Berlinale

Es heißt ja immer die Berlinale sei das politische unter den großen Filmfestivals. In diesem Jahr aber war der Wettbewerb mal wieder sehr durchwachsen. Wer überraschendes suchte, musste in die Nebenreihen gehen. Dort wurden so wunderbare Filme wie „Call me by your Name“ oder „Menashe“ gezeigt.

Für letzteren hatte ich die Gelegenheit, mit dem Hauptdarsteller Menashe Lustig ein Interview zu führen. Es war eine der spannendsten Begegnungen dieses Filmfestivals. Denn wie kommt man dazu Schauspieler zu werden, wenn man in einer ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde aufwächst und dort weder Film, noch Fernsehen oder Internet konsumieren durfte? Das ganze Interview erschien in der Frankfurter Allgemeine Zeitung und online.

Zwei weitere Kritiken erschienen auf Kino-zeit.de:

Tiere

Foreign Body

Sake zum Dinner?

img_2830Richie Hawtin ist Techno-DJ und Japan-Fan. Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt er sich mit Sake, nun will er ihn als Dinner-Drink bekannt machen. Passt das?

Im schönen Pauly-Saal in Berlin hatte Hawtin zusammen mit Sternekoch Arne Anker ein Menü erarbeitet. Wie das ankam, ist auf FAZ.NET zu lesen.

Ein Interview mit Richie Hawtin über seine Faszination für Sake erschien in der Weihnachtsausgabe des Frankfurter Allgemeine Magazins.

Wie schnell zehn Tage vergehen

merylWenn die Berlinale ansteht, fragen Bekannte ja gern, ob man sich in Berlin endlich mal auf einen Kaffee verabreden könnte oder welche Filme ich so empfehlen würde. Meistens sind sie danach enttäuscht, da ich weder Zeit für Kaffee habe, noch spontane Empfehlungen für „den einen Film“ aus mehr als 400 Kandidaten geben kann. Die meiste Zeit verbringe ich sowieso nicht im Kino, sondern auf den Randveranstaltungen, am roten Teppich, auf den Pressekonferenzen und den Panels – und die waren in diesem Jahr ziemlich umwerfend: da war eine entspannte Meryl Streep, die 90 Minuten lang über ihre Karriere und Frauen im Filmbusiness sprach; da war Kameralegende Michael Ballhaus, der über seine berühmte 360-Grad-Kamerafahrten sprach und wie blutrünstig Martin Scorsese manchmal gestimmt war; da war George Clooney, der alle mit politischen Statements überraschte und so einige Personen, die nie ins Rampenlicht kommen, aber mich mit ihrer Zenhaften Ruhe am roten Teppich schwer beeindruckt haben.

Es war nicht mein erstes Mal auf der Berlinale, aber es war das erste Mal, dass ich auf diesem Filmfestival „richtig“ gearbeitet habe. Ja, in den Jahren zuvor, während des Journalistikstudiums, habe ich auch über Filme geschrieben und Kolumnen zu all den kleinen Dingen, die auf und um den roten Teppich geschehen, verfasst. Aber dieses Jahr war voll, ich hatte mehrere Auftraggeber, darunter das Feuilleton der F.A.Z. und kino-zeit.de.

Ein paar Filme habe ich mir dann auch noch ansehen können und natürlich darüber auch geschrieben:

Filmdiven – in Venedig und anderswo

Es ist viel passiert in den vergangenen Wochen. So viel, dass ich kaum dazu kam, diese Seite zu aktualisieren. Der Sommer hat sich als Hauptsaison für Freelancer entpuppt – und darüber bin ich natürlich nicht böse. Da hier und dort jedoch die drängenden Fragen aufkamen: Was machst Du eigentlich? Und wo steckst du gerade schon wieder? – kommt hier die ausführliche Antwort.

Da war zunächst einmal das Filmfestival in Venedig, das ich in diesem Jahr für den Gesellschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung besuchen durfte. Die ersten Eindrücke von der Eröffnungsgala am roten Teppich hatte ich gleich online verarbeitet (Diven, Bergsteiger und eine kleine Demonstration) – die lange Version erschien am nächsten Tag im Print. Und wer dann die Meldungsspalten aufmerksam durchstöbert hat (über das Johnny-Depp-Fieber, Kristen Stewarts romantische Ader oder Noah Baumbachs Brian-DePalma-Doku) , konnte fast 14 Tage lang mein Kürzel entdecken. Einige längere Stücke von dieser Recherchereise stehen noch in diversen Blöcken – es wird also nicht das letzte Mal sein, dass ich davon erzähle.

Eine der schönsten Begegnungen mit einem Filmstar hatte ich jedoch nicht in Venedig, sondern direkt vor der Haustür, in Rodgau. Dort lebte nämlich Jean Darling – die älteren unter Ihnen werden sich noch an das blondgelockte, kecke Mädchen aus der Stummfilmreihe „Die kleinen Strolche“ erinnern. Genau, das war sie! Und sie erinnerte sich noch an so vieles: Wir sprachen über ihr erstes Casting, die Zeit als der Stummfilm zum Tonfilm wurde und wie sie Laurel und Hardy (bei uns besser bekannt unter dem Pseudonym ihrer Comedy-Reihe „Dick und Doof“) kennenlernte. Leider verstarb sie kurz nach ihrem 93. Geburtstag im September. Der Text über das Gespräch mit ihr erschien online bei FAZ.NET: Was aus dem kleinen Strolch mit den blonden Locken wurde.

Der paranoide Diktator und die Bunker

bunker

Albanien war eine der intensivsten Reisen der letzten Zeit. Egal wohin man kommt, überall findet man die Überbleibsel der Diktatur. Besonders hartnäckig halten sich die Bunker, die der albanische Diktator Enver Hoxha im ganzen Land erbauen ließ. Am Strand, im Gebirge oder, wie auf dem Bild zu sehen, direkt in der Hauptstadt Tirana, überall stolpert man über diese Betonmonster in Schildkrötenform. Für den Reiseteil der Frankfurter Allgemeine Zeitung habe ich über den Streifzug auf den Spuren des paranoiden Diktators und seiner Bunker geschrieben: Im Land der tausend Bunker

 

Neun Monate auf Lampedusa

Von Lampedusa berichten wir nur, wenn wieder ein Flüchtlingsboot im Mittelmeer untergegangen ist. Wie vor einem Jahr, damals ertranken vor der italienischen Insel gleich mehrere hunderte Menschen auf dem Weg von Afrika nach Europa. Die Presse war schnell am Ort des Geschehens, und genauso schnell waren die Reporter und Fotografen wieder verschwunden. Nur einer blieb länger: Der Fotograf Calogero Cammalleri verbrachte neun Monate auf Lampedusa. Die Einwohner lehnten ihn zuerst ab. Doch dann blieb er drei Tage mit Fischern in stürmischer See.

Ich habe in zu seinen Eindrücken und Erlebnissen auf Lampedusa befragt. Das ganze Interview auf FAZ.NET gibt es hier: „Wir wollen dich hier nicht haben“

Außerdem hat Calogero mit einem Stipendium des italienischen Forschungszentrums Fabrica, ein Tochterunternehmen der Benetton-Gruppe, den Foto-Band „Lipadusa“ über seine neun Monate auf Lampedusa herausgebracht. Mehr Informationen dazu, gibt es hier.

 

What’s happening in Hongkong?

The protests in Hongkong for free elections and a real democracy continued. What are the reasons that the people are demonstrating in the streets? And how do they see their chances in succeeding their fight? For the online section of Frankfurter Allgemeine Zeitung I have talked to a young teacher, who is participating in the demonstrations. He asked not to be named, because his family asked him to reveal his identity.

You can watch the whole interview in English on FAZ.NET

Für meine deutschen Leser: 

Die Proteste für freie Wahlen und mehr Demokratie in Hongkong gehen weiter. Was treibt die Demonstranten auf die Straße? Und welche Erfolgsaussichten geben sie ihrem Protest? Für FAZ.NET habe ich das einen jungen Lehrer gefragt, der mitdemonstriert.

Es war nicht einfach, ihn zu einem Video-Interview zu bewegen. Seine Familie, sagte er, wollte nicht, dass er sich mit voller Identität zu Wort melde.

Das Interview wurde auf Englisch geführt und kann in voller Länge auf FAZ.NET angesehen werden. 

Der nackte Fotograf

Es begann als Scherz unter Freunden: Ich werde Nackt-Porträts machen, hatte Trevor Christensen gesagt. Aber ich werde es umdrehen, die Porträtierten sind angezogen und ich werde nackt sein.

Wie ist das denn nun, hinter der Kamera nackt zu sein? Reagieren Männer und Frauen anders? Und wohin zum Teufel schauen die während der Foto-Session? All das habe ich den jungen Fotografen aus Utah gefragt. Das ganze Interview gibt’s auf FAZ.NET: „Ein Fotograf zieht sich aus“ 

Und wer sehen will, was aus dem Langzeitprojekt wird, findet die neuesten „Nude-Portraits“ auf seinem Instagram-Account: http://instagram.com/trevorchristensen

 

Darauf ein Gin Tonic

Mach doch diese Geschichte über die Sommer-Cocktails, haben sie gesagt. Einen Tag lang in einer Bar rumhängen und sich tolle Drinks von einem tollen Barkeeper vormixen lassen – na wenn das kein Auftrag ist, haben sie gesagt. Hab ich also gemacht und kehrte mit folgenden Erkenntnissen zurück:

  1. Bars besser nicht bei Tageslicht betreten. Was die Nacht und der Alkohol in verheißungsvolles Halbdunkel hüllen, sieht um 12.00 Uhr Mittags weitaus weniger charmant aus. (Dafür konnte ich in Ruhe die Deko der Roten Bar in Frankfurt betrachten. Es sind verblüffend viele halb nackte Frauen an diesen Wänden.)
  2. Professionelle Barkeeper sind ein Quell guter Anekdoten. Wenn Hemingway sagte: „Verbringen Sie einen Abend in einer Bar, um eine Kultur richtig kennenzulernen.“ Hätte er hinzufügen sollen: „Bringen Sie dafür den Barkeeper zum Reden.“ 
  3. Es ist verdammt hart, in einer Bar zu sitzen und stundenlang die besten Cocktails zubereitet zu bekommen – und sie dann einfach stehen lassen zu müssen! Ja, das ist journalistisches Jammern auf hohem Niveau, aber das muss an dieser Stelle mal gesagt werden.

Ergebnis der Recherche: Gin Tonic ist das Getränk der Stunde. Warum genau? Habe ich ausführlich für FAZ.NET aufgeschrieben: Darauf ein Gurken-Gin.

Und wer danach Lust auf einen Drink hat und noch unschlüssig ist, welchen, findet das ganz schnell im Interaktiv heraus: Welchen Cocktail hätten Sie denn gern?

So bluffen Sie sich durch die WM

Alle reden vom Fußball, nur Sie haben keine Ahnung? Verzagen Sie nicht! Andrea Diener und ich haben die Sportkollegen befragt und Ihnen die schönsten Bemerkungen für FAZ.NET zusammengetragen, die Sie nebenbei fallenlassen können, ohne sich zu blamieren. Garantiert!

„So bluffen Sie sich durch die WM“ 

Finnland: Atomkraft, Rööri und der neue Meatpacking-District

IMG_2487Journalists Network hatte im März zu einer Recherchereise nach Finnland geladen. Ich fuhr mit. In etwas mehr als einer Woche hatte unsere Recherchegruppe nicht nur das Vergnügen den Kult-Finnen M.A. Numminen (auf dem Foto mit unserem Organisationsgenie Jenni Roth) zu treffen.

Wir wollten wissen, warum die Finnen auch nach Fukushima weiter an der Atomkraft festhalten. Antworten fanden wir in Eurajoki, wo nicht nur ein neues Reaktorgebäude, sondern auch das weltweit erste Endlager gebaut werden. Ein Hinweis fiel am häufigsten: finnischer Pragmatismus. Ich habe darüber für die Frankfurter Allgemeine Zeitung geschrieben („Bis zur nächsten Eiszeit“, veröffentlicht am 22. April 2014 im Politikteil).

Aber die Finnen machen sich nicht nur Gedanken, wie sie ihren atomaren Müll sicher entsorgen; im ehemaligen Hafenviertel Kalasatama in Helsinki bauen sie eine Absauganlage für Hausmüll. Wie genau das funktioniert? So: Mit Rööri gegen den Müll (erschienen am 6. April in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung / Drinnen und Draußen).

Obwohl die Woche voller Termine und spannender Interviews war, blieb in bisschen Zeit für eigene Recherchen. Ich habe Wilhelm Relander, den Food Manager der Stadt Helsinki, getroffen. Er hat mir erzählt, wie er die ehemaligen Schlachthöfe der Stadt zum neuen Meatpacking District umgestalten will. „Gastro-Stadt Helsinki“ wurde im Großstadtmagazin Neonlicht auf Deutschlandradio Kultur am 20. April gesendet.

 

Deadline

Vor vier Wochen habe ich „Deadline“ von Constantin Seibt gekauft (seinen Blog für den Schweizer Tagesanzeiger kennen die meisten Kollegen sicherlich). Ich lese das Buch häppchenweise, so wie man gute Trüffelschokolade isst. Nur nicht alles auf einmal, dann ist der Genuss so schnell vorbei und man hat sich am Ende den Magen verdorben. Stattdessen immer nur ein Kapitel, wenn ich mal wieder über einem Text brüte. Es ist Instant-Inspiration: Ich will sofort an meinen Wörtern feilen, Absätze eindampfen, umschreiben und überarbeiten.

deadline

Was dabei in den vergangenen Wochen entstanden ist, wird hier demnächst bekanntgegeben, wenn es veröffentlich wurde.

Solange sei an dieser Stelle auf eine Mini-Hommage verwiesen, die ich zusammen mit den Kollegen von FAZ.NET geschrieben habe an das von IKEA eingestellte Expedit-Regal und den Röhrenfernseher meines Opas. 

Endlich wieder Magazinjournalismus

Haute Lecture

Zugegeben, meine Arbeit für das Frankfurter Allgemeine Magazin beginnt mit kleinen Schritten: Für die Dezember-Ausgabe durfte ich zwei Mode-Bücher rezensieren. Alle Rezensionen in voller Pracht gibt es auf FAZ.NET als Bildstrecke und im Magazin (hier zum Download).