Wie der Schmuck auf den roten Teppich kommt

IMG_7400Ich kenne Cannes bisher in der Nebensaison. Im vergangenen Jahr hielten wir dort während eines Roadtrips entlang der Cote d’Azur. Schon damals war viel los. Als ich dieses Jahr jedoch für das Filmfestival wiederkehrte, glich das Nebensaison-Cannes einem Klostergarten.

Der Gegensatz mag besonders hart ausgefallen sein, weil wirklich jeden Tag verdammt viel zu tun war:

Für die Frankfurter Allgemeine Zeitung recherchierte ich, woher die Stars und Sternchen ihren Schmuck für den roten Teppich bekommen: Der Ohrring soll ja nicht im Schrank liegen. 

Für das neue „Woche“-Magazin der F.A.Z. interviewte ich Jonathan Liddell zu seinem Film „Wrong Elements“, in dem er ehemalige Kindersoldaten in Uganda begleitet.

Und für Kino-zeit.de schaute ich Filme. Unter anderem diese hier:

„Neruda“ von Pablo Larraín
„L’économie du couple“ von Joachim Lafosse
„Risk“, Laura Poitras Dokumentarfilm über Julian Assange
„Two lovers and a bear“ von Kim Nguyen

Und hörte mir an, warum Chloe Sevigny so lange gebraucht hat, bis sie sich selbst zutraute, Regie zu führen.

Wie schnell zehn Tage vergehen

merylWenn die Berlinale ansteht, fragen Bekannte ja gern, ob man sich in Berlin endlich mal auf einen Kaffee verabreden könnte oder welche Filme ich so empfehlen würde. Meistens sind sie danach enttäuscht, da ich weder Zeit für Kaffee habe, noch spontane Empfehlungen für „den einen Film“ aus mehr als 400 Kandidaten geben kann. Die meiste Zeit verbringe ich sowieso nicht im Kino, sondern auf den Randveranstaltungen, am roten Teppich, auf den Pressekonferenzen und den Panels – und die waren in diesem Jahr ziemlich umwerfend: da war eine entspannte Meryl Streep, die 90 Minuten lang über ihre Karriere und Frauen im Filmbusiness sprach; da war Kameralegende Michael Ballhaus, der über seine berühmte 360-Grad-Kamerafahrten sprach und wie blutrünstig Martin Scorsese manchmal gestimmt war; da war George Clooney, der alle mit politischen Statements überraschte und so einige Personen, die nie ins Rampenlicht kommen, aber mich mit ihrer Zenhaften Ruhe am roten Teppich schwer beeindruckt haben.

Es war nicht mein erstes Mal auf der Berlinale, aber es war das erste Mal, dass ich auf diesem Filmfestival „richtig“ gearbeitet habe. Ja, in den Jahren zuvor, während des Journalistikstudiums, habe ich auch über Filme geschrieben und Kolumnen zu all den kleinen Dingen, die auf und um den roten Teppich geschehen, verfasst. Aber dieses Jahr war voll, ich hatte mehrere Auftraggeber, darunter das Feuilleton der F.A.Z. und kino-zeit.de.

Ein paar Filme habe ich mir dann auch noch ansehen können und natürlich darüber auch geschrieben:

Film-Kritik: Chuck Norris und der Kommunismus

Eigentlich müsste diese Kritik mit einem Chuck-Norris-Witz beginnen. Aber auf den vertrösten wir lieber bis zum Ende. Denn entgegen dem etwas reißerischen Originaltitel Chuck Norris vs. Communism geht es in dem Film der rumänischen Regisseurin Ilinca Calugareanu nicht darum, wie Chuck Norris mit einem Roundhouse-Kick ein Regime platt macht. Es geht vielmehr um Macht. Die Macht der Bilder. Und um eine Stimme, die noch lange nach dem Abspann dieses Films im Ohr klingen wird. Es ist die Stimme von Irina Nistor. Und sie konnte damit fast so viel bewirken, wie Chuck Norris mit seinen bloßen Händen. (…)

Die ganze Kritik lesen Sie auf: kino-zeit.de